streetwork digital // digital streetwork
Potentiale und Grenzen aufsuchender Arbeit in digitalen Räumen
Die Tagung am 25.11.2025 hatte das Ziel, einen übergreifenden Fachdiskurs zu führen und eine Verständigung auf gemeinsame und möglicherweise unterschiedlich genutzte Fachbegriffe zu erreichen. Dieses Ziel haben wir u.E. nach erfüllen können und danken allen Beteiligten für die interessanten Beiträge und konstruktiven Diskussionen.
Welf Schröter erinnerte uns daran, dass wir uns mit der Technik und den Bedingungen im Internet auskennen sollten, damit wir im Sinne von unserem Klienten*innen auch mitentscheiden können.
Chrissi Bollig zeigte auf, dass es neue Zugangsformen und Kontaktmöglichkeiten für Adressat:innen gibt, die digitale Teilhabe ermöglichen und eine Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten bietet. Trotzdem ist es wichtig die Reproduktion von Ungleichheit und Ökonomisierung von Daten als Soziale Arbeit im Blick zu haben. Das Austarieren und Aushalten beider Pole (bzw. die Berücksichtigung beider Seiten) ist entscheidend für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit und erfordert eine kontinuierliche, kritische Reflexion und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.
Das themenoffene Angebot „digital streetwork Bayern“ wurde von Dr. Niels Brüggen aus Sicht der Medienpädagogik vorgestellt. Das Spannungsfeld der grenzenlosen digitalen Räume versus lokaler/regionaler Verankerung oder Datenschutz versus Kinderrechte in der digitalen Welt kann zur Weiterentwicklung der Verbindung von lokalen und Online-Strukturen der Jugend(sozial)arbeit führen.
Die Suchtberatungssicht vom Projekt Condrobs auf ihr digitales Angebot wurde von Svenja Schüürmann präsentiert. Die Erfolge aus User*innen und Streetworker*innen Sicht sind eine gestärkte bzw. erhöhte Motivation zur Veränderung, mit einem besseren Kenntnisstand über Safer Use, welche zu psychischer Erleichterung und häufigeren Vermittlung führte. Die strukturellen Herausforderungen sind die Sicherung einer Finanzierung, eine Unterstützung der Einrichtung, Erarbeitung neuer Arbeitsprozesse mit neuen fachlichen Anforderungen an die Fachkräfte (insbesondere dem Datenschutz) und ein laufendes Überprüfen der Orte/Aufenthalt der Menschen (digital und vor Ort).
Christina Dinar berichtete von der Entwicklung Digitalprojekte im Bereich Antidiskriminierung/Rechtsextremismusprävention der Amadeu Antonio Stiftung (AAS). Sie hinterfragt kritisch die Plattformökonomie und deren Rolle, die Platzierung von unabhängigen Angeboten der Sozialen Arbeit in Suchmaschinen, GGPT etc. und die Digitalisierung von Methoden und Verwaltungsabläufen als Digitalisierung Sozialer Arbeit. Als Ausblick nennt sie SozialarbeitsInfluencer:innen und die Straße im Metaverse im Bereich Gaming, welche viel Selbsthilfe und Empowermenträume bietet.
Ausblick
Das Vorbereitungsteam sieht den Diskurs in der Sozialen Arbeit und insbesondere im Bereich Streetwork / Mobile Jugendarbeit noch nicht beendet, sondern erst am Anfang. Um den gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen angemessen zu begegnen, gilt es sowohl bereits bestehende Konzepte kontinuierlich weiterzuentwickeln und ggf. anzupassen bzw. neue – zielgruppenspezifische und bedarfsorientierte – Angebote zu entwickeln, als auch neue digitale Hilfs- und Unterstützungsangebote zu schaffen und zu erproben, die sich gezielt den vorhandenen „Versorgungslücken“ in den verschiedenen Hilfssystemen widmen. Für einen weiteren Diskurs planen die beiden Kooperationspartner zusammen mit der TH-Nürnberg am 21.9.2026 einen Online-Fachtag.