auf der Autobahn

BAG EJSA unterwegs

Die BAG EJSA Sommerreise

Unterwegs in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen

Die Sommerreise 2026 führte die Geschäftsführenden der BAG EJSA durch ihre Mitgliedsverbände Sachsen, Mitteldeutschland (mit Sachsen-Anhalt und Thüringen) und Hessen. In Dresden, Halle/Saale, Bitterfeld, Altenburg, Gießen und Frankfurt/Main hat die Reisegruppe Menschen getroffen, die sich mit großem Engagement für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen einsetzen. 

Das Format BAG EJSA-Sommerreise soll sichtbar machen, was Jugendsozialarbeit leistet – und was sie braucht, um wirksam zu bleiben: Verlässliche Strukturen, ausreichende Finanzierung und politische Rückendeckung. Fachkräfte, Trägervertreter*innen und junge Menschen kommen vor Ort zu Wort mit Einblicken in die Praxis, mit Kritik, aber auch mit ermutigenden Beispielen. 

Zu Besuch bei der Schulsozialarbeit am Gymnasium Bürgerwiese in Dresden

Zu Besuch bei der Schulsozialarbeit am Gymnasium Bürgerwiese in Dresden

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Unsere erste Station führte uns an das Bürgerwiese Gymnasium in Dresden. Hier ist Schulsozialarbeit nicht ein zusätzliches Angebot am Rand des Systems Schule, es ist vielmehr Teil einer gewachsenen Schulgemeinschaft, die über viele Jahre gemeinsam entwickelt wurde.

Die Fachkräfte der Schulsozialarbeit sind fester Bestandteil eines multiprofessionellen Teams. Sie begleiten Klassen, gestalten Präventionsangebote, unterstützen bei Konflikten, beraten Schüler*innen und schaffen Räume für Beteiligung. Dabei wird einmal mehr deutlich, dass Schulsozialarbeit weit mehr ist als Krisenintervention. „Schulsozialarbeit ist nicht nur Feuerwehr spielen. Sie ist viel, viel mehr“, so Schulleiter Jens Reichel. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Krisen zeigt sich ihre Bedeutung. Die Folgen der Corona-Pandemie, Unsicherheiten durch Kriege und globale Krisen, Leistungsdruck, Zukunftssorgen und die permanente Präsenz sozialer Medien prägen den Alltag vieler junger Menschen. Die Schulsozialarbeiterinnen Christin Goldammer und Marlene Hovstedt berichteten von steigenden Beratungsanfragen und einer wachsenden Zahl psychischer Belastungen. Gleichzeitig erleben sie junge Menschen als engagiert, kreativ und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Besonders beeindruckend war das Engagement der Schüler*innen, als die Schulsozialarbeit im Rahmen von Haushaltskürzungen 2024 in Frage gestellt wurde. Mit Demonstrationen, Aktionen und öffentlichen Stellungnahmen machten sie deutlich, welchen Wert die sozialpädagogische Arbeit für ihre Schule besitzt. Und organisierten sich damit die Erfahrung, dass die eigene Stimme etwas bewirken kann. 

JiL - Offene Kinder- und Jugendarbeit der Laurentiusgemeinde Dresden

JiL - Offene Kinder- und Jugendarbeit der Laurentiusgemeinde Dresden

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Wie wichtig Erfahrungsräume sind, wurde auch bei unserer zweiten Station deutlich, im JiL (Jung in Laurentius). Die Offene Kinder- und Jugendarbeit der Laurentiuskirchgemeinde Dresden bietet einen Begegnungs- und Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Niemand muss kommen. Niemand wird bewertet. Niemand muss Leistung erbringen. „Dieser Raum ist unverzweckt“ wie ein Mitarbeiter des Jil sagte. 

Besonders eindrucksvoll ist das Tonstudio des Jugendtreffs. Was einst als Wunsch einiger Jugendlicher begann, hat sich zu einem professionell ausgestatteten Kreativraum entwickelt. Hier entstehen Musikprojekte, Podcasts und eigene Produktionen. Jugendliche erwerben technische Fähigkeiten, stärken ihr Selbstvertrauen und erleben Selbstwirksamkeit.

Offene Kinder- und Jugendarbeit eröffnet Erfahrungsräume, die in anderen Kontexten oft fehlen. Und sie schaffen Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen. Junge Menschen können Verantwortung übernehmen, Projekte gestalten und eigene Ideen verwirklichen. Ein Satz eines Jugendlichen brachte dies besonders treffend auf den Punkt: „Von nichts kommt nichts – und aus nichts wird Blödsinn.“ Dahinter steckt eine ernsthafte Erkenntnis: Offene Kinder- und Jugendarbeit schafft die Voraussetzungen dafür, dass junge Menschen ihre Potenziale entfalten können. 

Im Gespräch wurde auch deutlich, welche Folgen Kürzungen in den kommunalen und Landeshaushalten haben. Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein professionelles Angebot der Kinder- und Jugendhilfe. Sie fördert das Ehrenamt, aber sie macht sich damit nicht selbst überflüssig. Der Wegfall einzelner Öffnungstage infolge von Kürzungen bedeutet im JiL weniger Angebot und oft den Verlust von Beziehungen. Fachkräfte berichteten von Jugendlichen, die seit Kürzungen nicht mehr erreicht werden, weil genau die Zeitfenster weggefallen sind, in denen sie den Treff nutzen konnten.

Im Gespräch mit Kirche und Diakonie im Landesjugendpfarramt Dresden

Im Gespräch mit Kirche und Diakonie im Landesjugendpfarramt Dresden

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Im Gespräch am Nachmittag im Jugendpfarramt mit dem Vorstand der Diakonie Sachsen Dietrich Bauer sowie Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann und dem Geschäftsführer des Landesjugendpfarramtes Rüdiger Steinke wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, soziale Infrastruktur als demokratische Infrastruktur zu verstehen. Schulsozialarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit sind als wichtige Teile einer professionell aufgestellten Kinder- und Jugendhilfe kein Sparpotential. Sie sind zentrale Bestandteile einer sozialen Infrastruktur und Basis eines lebenswerten Gemeinwesens.

Demokratie wird dort gelernt, wo junge Menschen erleben, dass ihre Meinung zählt und wo sie Verantwortung übernehmen können. Das passiert durch die Schulsozialarbeit ebenso wie in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Leider stehen genau diese Angebote vielerorts unter Druck. Fachkräfte berichteten von angespannten kommunalen Haushalten, Kürzungsdebatten und zunehmenden politischen Angriffen auf Angebote der Jugendhilfe.

Gleichzeitig beobachten viele Träger eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt: Dort, wo professionelle Angebote verschwinden, entstehen Leerstellen. Und „aus Nichts wird Blödsinn“, in unterschiedlichsten Formen. Das kann nicht im Interesse einer demokratischen Gesellschaft sein.  

Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche war das Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure. Schulen, freie Träger, Kommunen, Kirchen, Jugendverbände und Fachkräfte der Jugendhilfe übernehmen gemeinsam Verantwortung für das Aufwachsen junger Menschen. Gute Zusammenarbeit entsteht nicht von selbst. Sie braucht Zeit, Vertrauen und verlässliche Rahmenbedingungen. Viele Gesprächspartner*innen warnten davor, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe ausschließlich unter Kostenaspekten zu betrachten. Präventive Angebote entfalten ihre Wirkung oft erst langfristig. Sie verhindern Krisen, bevor diese sichtbar werden – das Präventionsparadox. Investitionen in die Kinder- und Jugendhilfe sind Investitionen in Demokratie und gesellschaftlichen. Zusammenhalt. Hier zu sparen, rechnet sich einfach nicht. 

Jugendmigrationsarbeit in der strukturschwachen Region Bitterfeld-Wolfen

Jugendmigrationsarbeit in der strukturschwachen Region Bitterfeld-Wolfen

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Der Jugendmigrationsdienst in Bitterfeld-Wolfen begleitet junge Menschen bereits seit vielen Jahren beim Ankommen, beim Schulbesuch und auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Die Arbeit reicht dabei weit über klassische Beratung hinaus. Die Fachkräfte unterstützen bei Schulanmeldungen, begleiten Behördengänge, vermitteln zu Ärzt*innen, helfen bei der Ausbildungsplatzsuche und stehen in engem Austausch mit Schulen, Jugendhilfe, Verwaltung und weiteren Partnern vor Ort.

Besonders im ländlichen Raum sind diese Unterstützungsstrukturen von großer Bedeutung. Lange Wege, fehlende Fachärzt*innen, begrenzte Mobilitätsangebote und ein angespannter Wohnungsmarkt erschweren vielen Familien den Alltag zusätzlich. Für neu zugewanderte junge Menschen kommen Sprachbarrieren, aufenthaltsrechtliche Fragen und die Orientierung in einem komplexen Bildungs- und Ausbildungssystem hinzu.

Die Mitarbeitenden des Jugendmigrationsdienstes beschrieben ihre Aufgabe deshalb als eine Art „Expeditionsleitung“ durch einen Dschungel aus Zuständigkeiten, Verfahren und Anforderungen. Gemeinsam mit den jungen Menschen werden Perspektiven entwickelt, Bildungswege geplant und Hindernisse überwunden. Dazu gehört auch, Rückschläge auszuhalten und neue Wege zu suchen, wenn Bewerbungen erfolglos bleiben oder bürokratische Hürden den nächsten Schritt verzögern.

Wie wirksam diese Begleitung ist, zeigt sich insbesondere beim Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf. Allein im vergangenen Jahr konnten zahlreiche junge Menschen erfolgreich in Ausbildung, Studium, Freiwilligendienste oder weiterführende Bildungsangebote vermittelt werden. 

Deutlich wurde zugleich, dass viele Aufgaben inzwischen zusätzlich durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen. Zahlreiche Anträge, Terminvergaben und Verwaltungsverfahren laufen ausschließlich über digitale Portale. Fehlende technische Ausstattung, Sprachbarrieren oder komplizierte Anmeldeverfahren führen dazu, dass Unterstützungsbedarf entsteht, der wiederum bei den Beratungsdiensten landet.

Die Fachkräfte machten deutlich, dass Digitalisierung Arbeitsprozesse erleichtern kann, persönliche Beratung aber nicht ersetzt. Gerade in komplexen Lebenslagen bleiben direkte Kontakte, Vertrauensaufbau und individuelle Begleitung unverzichtbar.

Intensiv diskutiert wurde auch das Auslaufen des Bundesprogramms Respekt Coaches. Die beteiligten Fachkräfte berichteten von einer hohen Wertschätzung an den Schulen. Über Jahre sind Kooperationen entstanden, die Angebote zu Demokratiebildung, Antidiskriminierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt ermöglicht haben. Die Arbeit der Respekt Coaches sei dabei nicht als Zusatzangebot verstanden worden, sondern als wichtiger Bestandteil schulischer Präventionsarbeit. Und die braucht Zeit. Vertrauen entsteht nicht innerhalb weniger Wochen. Umso größer ist die Sorge vieler Beteiligter, dass mit dem Ende von Bundesprogrammen gewachsene Strukturen verloren gehen.

Der Besuch in Bitterfeld-Wolfen hat eindrucksvoll verdeutlicht, welche Wirkung Jugendmigrationsdienste und schulbezogene Präventionsangebote entfalten können. Sie schaffen Orientierung, eröffnen Perspektiven und tragen dazu bei, dass junge Menschen ihren Platz in Schule, Ausbildung und Gesellschaft finden.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit in Bestform: Aufsuchende Jugendsozialarbeit in Altenburg

Partnerschaftliche Zusammenarbeit in Bestform: Aufsuchende Jugendsozialarbeit in Altenburg

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Auf dem Programm in Altenburg standen Gespräche mit Fachkräften der aufsuchenden Jugendsozialarbeit des Magdalenenstifts, Vertreter*innen des Jugendamtes sowie Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Strukturen junge Menschen benötigen, damit Unterstützung verlässlich wirkt und Teilhabe gelingen kann.

Mit dem Jugendzentrum East Side als offenem Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, The Base als Jugendclub im Altenburger Norden, dem TeeMobil als aufsuchendes Angebot im öffentlichen Raum sowie der Mobilen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit im gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus setzt das Magdalenenstift eine Vielfalt an niedrigschwelligen Angeboten für junge Menschen um. 

Seit vielen Jahren suchen die Mitarbeitenden bewusst den Kontakt zu jungen Menschen an den Orten, wo diese sich aufhalten. Damit machen sie sich ansprechbar, ohne ihre Angebote aufzudrängen. Gerade diese Freiwilligkeit ist ein zentrales Merkmal der niedrigschwelligen Jugendsozialarbeit.

In den Gesprächen in unterschiedlicher Konstellation wurde immer wieder deutlich, dass sich die Anforderungen an die Arbeit verändert haben. Fachkräfte berichten von komplexeren Problemlagen, längeren Begleitungen und einem steigenden Bedarf an individueller Unterstützung. 

Gleichzeitig wurde sichtbar, dass diese Herausforderungen nicht isoliert betrachtet werden können. Jugendhilfe, Schule, Verwaltung und freie Träger arbeiten in Altenburg eng zusammen. Die Beteiligten kennen sich häufig seit vielen Jahren, tauschen sich regelmäßig aus und entwickeln gemeinsam Lösungen. Damit praktizieren sie im besten Sinne partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die daraus erwachsenen Netzwerke wurden von vielen Gesprächspartner*innen als wesentliche Stärke der Region beschrieben.

Besonders eindrucksvoll war dabei die Offenheit, mit der auch bestehende Schwierigkeiten angesprochen wurden. Ein zentrales Thema war die Wohnsituation junger Menschen. Fachkräfte schilderten, dass es zunehmend schwerfällt, passende Wohnangebote für junge Erwachsene zu finden, die Unterstützung benötigen, aber nicht mehr in die Zuständigkeit der Jugendhilfe fallen. Übergänge zwischen unterschiedlichen Hilfesystemen gestalten sich oft kompliziert, Zuständigkeiten sind nicht immer eindeutig und geeigneter Wohnraum fehlt.

Die Diskussion machte deutlich, dass soziale Probleme selten an gesetzlichen Altersgrenzen enden. Vielmehr benötigen junge Menschen auch nach dem Übergang ins Erwachsenenalter verlässliche Begleitung und passgenaue Unterstützungsangebote. Dafür braucht es funktionierende Schnittstellen zwischen Jugendhilfe, Sozialhilfe, Wohnungswirtschaft und kommunalen Akteur.

Ein weiteres Thema war die Fachkräftesituation. Auch in Altenburg wird es zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten. Gleichzeitig waren sich die Gesprächspartner einig, dass die Qualität der Angebote unmittelbar von gut ausgebildeten Fachkräften abhängt. 

Trotz aller Herausforderungen war die Grundstimmung der Gespräche bemerkenswert konstruktiv und positiv. Viele der heute bestehenden Angebote sind über Jahre und teilweise Jahrzehnte gewachsen. Sie beruhen auf Kontinuität, fachlicher Entwicklung und dem gemeinsamen Willen, soziale Infrastruktur vor Ort zu erhalten.

Der Besuch in Altenburg hat gezeigt, dass die Strukturen, die Zusammenarbeit der Beteiligten und die Bereitschaft, junge Menschen über längere Zeiträume zu begleiten entscheidend sind. Gerade in Regionen, die vor demografischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen, sind diese Voraussetzungen von besonderer Bedeutung.

Sozialräumliche Arbeit konkret, diskutiert mit Bundestagsabgeordneten in der Jugendwerkstatt Gießen

Sozialräumliche Arbeit konkret, diskutiert mit Bundestagsabgeordneten in der Jugendwerkstatt Gießen

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In der Jugendwerkstatt Gießen werden seit mehr als vier Jahrzehnten junge Menschen beim Einstieg in Ausbildung und Beruf gefördert und begleitet. Dabei wird berufliche Qualifizierung mit sozialpädagogischer Unterstützung verknüpft. Das eröffnet jungen Menschen neue Perspektiven.

Beim Rundgang durch die Werkstätten mit ihren unterschiedlichen Gewerken wurde sichtbar, wie praxisnah Lernen hier gestaltet wird. Ob in der Holz- oder Metallwerkstatt, im Baubereich, in der Fahrradwerkstatt, im Kaufhaus oder in der Küche – überall arbeiten junge Menschen an konkreten Aufgaben und sammeln Erfahrungen in realitätsnahen Arbeitszusammenhängen. Sie erfahren die Wirkungen ihrer Arbeit ganz konkret, wenn z.B. das Essen in der Kantine gelobt wird oder ein von ihnen gefertigtes Werkstück im Kaufhaus einen Käufer findet. Besonders beeindruckend war die Kreativ- und Textilwerkstatt. Hier entstehen aus unterschiedlichsten Materialien neue Produkte, Ideen werden entwickelt und umgesetzt, handwerkliche Fähigkeiten erprobt und kreative Potenziale entdeckt. „Die Textilwerkstatt ist das Schweizer Taschenmesser der Jugendwerkstatt.“, wie es ein dort mit einer Häkelarbeit beschägftigter junger Mann treffend benannte. Schwerpunkt und Besonderheit in der Jugendwerkstatt Gießen ist die psychosoziale Begleitung in den Bildungsmaßnahmen. Sie ermöglicht den jungen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang, um ggf. notwendigen Therapiebedarf feststellen und anbahnen zu können. 

Im Austausch mit den anwesenden Bundestags- und Landtagsabgeordneten wurde deutlich, welche Bedeutung solche Angebote für den Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf haben. Die Jugendwerkstatt schafft Lern- und Erfahrungsräume für junge Menschen, die in regulären Bildungswegen häufig Unterstützung benötigen. Dabei geht es um fachliche Qualifizierung, um Selbstvertrauen, Orientierung und die Entwicklung persönlicher Perspektiven.

Bundesprogramme in der Krise: Evangelischer Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V.

Bundesprogramme in der Krise: Evangelischer Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main e.V.

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Im Zentrum der Veranstaltung in Frankfurt stand die Frage, welche Folgen der Abbau bewährter Unterstützungsangebote für junge Menschen hat. Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Landespolitik, Stadtverwaltung und Fachpraxis diskutierte die BAG EJSA die Situation von Jugendmigrationsdiensten, Integrationsangeboten und inklusiven Bildungsprojekten vor dem Hintergrund gekündigter Bundesprogramme wie Respekt Coaches, Mental Health Coaches und Garantiefonds-Hochschule. Johannes Löschner vom Evangelischen Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main brachte die Herausforderung auf den Punkt: „Heute geht es nicht nur um Projekte. Es geht um junge Menschen. Um ihre Chancen. Und um unsere gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung.“

Besonders eindrücklich war der Bericht über das inklusive Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekt Rothschild. Hier lernen und arbeiten hörende und gehörlose junge Menschen gemeinsam. Inklusion wird nicht als Sonderlösung verstanden, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Bildung, Qualifizierung und Ausbildung. Seit Jahren schafft das Projekt erfolgreiche Übergänge in Ausbildung und Beruf und eröffnet jungen Menschen neue Perspektiven. Die größte Herausforderung liegt dabei nicht in der pädagogischen Arbeit, sondern in den Rahmenbedingungen. Die Finanzierung notwendiger Gebärdensprachdolmetschung ist vielerorts nicht dauerhaft gesichert. Dabei zeigt das Projekt eindrucksvoll, dass inklusive Bildung und Qualifizierung funktionieren können, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Teilnehmenden waren sich einig: Inklusion darf nicht an bürokratischen Hürden oder ungeklärten Zuständigkeiten scheitern.

Am Beispiel des Jugendmigrationsdienstes wurde dann herausgearbeitet, welche Bedeutung langfristig abgesicherte Beratungsstrukturen für Integration und gesellschaftliche Teilhabe haben. Allein in Frankfurt begleitet der Jugendmigrationsdienst jährlich mehr als 600 junge Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung beim Zugang zu Bildung, Ausbildung und Beruf. Ergänzt wird diese Arbeit durch Angebote wie den Garantiefonds Hochschule, der junge Zugewanderte auf ihrem Weg ins Studium unterstützt. Nach mehr als 50 Jahren soll dieses Programm zum Ende des Jahres 2026 beendet werden. Es bleibt unklar, wie in Zukunft junge Migrant*innen, für die der Einstieg in ein Studium aufgrund ihrer individuellen Situation eine besondere Hürde ist, diese ohne die qualifizierte Beratung überwinden können. 

Beeindruckend waren die Berichte der jungen Menschen, die mit Unterstützung der Angebote des Evangelischen Vereins ihren Weg ins Leben gefunden haben. Sie wiesen ebenso wie die Fachkräfte auf die wachsenden Herausforderungen hin: Gesellschaftliche Polarisierung, psychische Belastungen, erschwerte Zugänge zu Sprachkursen und zunehmende Unsicherheit bei Bildungs- und Berufswegen prägen den Alltag vieler junger Menschen. Wichtige Unterstützungsangebote geraten unter Druck. Für die betroffenen jungen Menschen verstärkt das Unsicherheit und Zukunftsangst. 

 

 

Die BAG EJSA sagt Danke!

Die Sommerreise 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie bunt und vielfältig die Angebote der Jugendsozialarbeit sind. Beeindruckende Geschichten junger Menschen, die in einer persönlichen Krise Beratung und Unterstützung erhalten und neue Perspektiven gefunden haben, haben die Projektberichte illustriert. Sie machen deutlich, wie wichtig verlässliche Unterstützungsangebote der Jugendsozialarbeit  für gelingende Übergänge sind. 

Dank an all die engagierten Kolleg*innen, die unter schwierigen Bedingungen diese wichtige Arbeit tun! Denn eins eint alle Projekte auch dieser Reise: Angebote der Jugendsozialarbeit sind Projekte, kein selbstverständliches Regelangebot. Sie werden erstritten und verhandelt von Trägern und Sozialarbeitenden, die sich stark machen für die jungen Menschen, die Unterstützung benötigen. 

Die BAG EJSA setzt sich dafür ein, dass der Anspruch dieser jungen Menschen auf bedarfsgerechte Angebote vor Ort endlich verpflichtend umgesetzt wird - überall in Deutschland. Dazu bedarf es der verpflichtenden Beteiligung aller föderalen Ebenen an den entstehenden Kosten. Denn Investitionen in junge Menschen sind Investitionen in die Zukunft. Das rechnet sich!

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