Stärken fördern

Bericht zum BAG-EJSA-Online-Fachtag am 20.05.2026

„Stärken fördern, Perspektiven eröffnen – Mädchen* am Übergang Schule-Beruf – Rolle und Aufgabe der Jugendsozialarbeit“

 

Wie können Mädchen* und junge Frauen* am Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf wirksam unterstützt werden? Welche strukturellen Hürden bestehen weiterhin – insbesondere für junge Frauen* mit Migrations- oder Fluchterfahrungen? Und welche Rolle kommt dabei den Arbeitsfeldern der Jugendsozialarbeit zu?

Diesen Fragen widmete sich der bundesweite Online-Fachtag, an dem 77 Fachkräfte und Expert*innen aus sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Professionen teilnahmen. Vertreten waren u. a. Fachkräfte aus Jugendmigrationsdiensten (JMD), dem Respekt-Coach-Programm, JMD im Quartier, Mädchensozialarbeit, Jugendberufshilfe, Schulsozialarbeit, mobiler Jugendarbeit, Jugendhilfe, Beratungsdiensten für Frauen, Berufs- und Studienberatung, Jugendberufsagenturen, Jobcentern, Agenturen für Arbeit, Ehrenamtskoordination, Landeskoordinationen sowie aus Wissenschaft und Hochschule. 

Die Vorträge lieferten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem IAB und dem DJI sowie eine wertvolle Analyse aus Sicht des Instituts für deutsche Wirtschaft., Die Workshops boten Raum für fachliche Vernetzung und Austausch von „best practice“-Ansätzen aus unterschiedlichen Handlungsfeldern und Regionen Deutschlands. 

Deutlich wurde dabei: Die Begleitung von Mädchen* und jungen Frauen* am Übergang Schule-Beruf ist eine gesamtgesellschaftliche und professionsübergreifende Aufgabe. Genderkompetenz aller beteiligten Akteur*innen, Unterstützung von Betrieben und die Reflexion bestehender Hemmnisse sind dafür wichtige Erfolgsfaktoren. Die Jugendsozialarbeit spielt in diesem Übergangsgeschehen eine zentrale Rolle mit ihrem ganzheitlichen und lösungsorientierten Ansatz.

Die Situation am Ausbildungsmarkt – Chancen und Herausforderungen

Den Auftakt machte Dr. Franziska Schreyer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit einem Überblick über aktuelle Entwicklungen am Ausbildungsmarkt.

Sie zeigte auf, dass trotz vieler unbesetzter Ausbildungsstellen weiterhin zahlreiche junge Menschen nicht in Ausbildung einmünden. Besonders thematisiert wurden geschlechtsspezifische Unterschiede sowie die Situation junger Frauen* mit Migrationsgeschichte. Mädchen* konzentrieren sich weiterhin häufig auf wenige Berufsfelder und begegnen zusätzlichen strukturellen Hürden. Hervorgehoben wurde die wichtige Rolle von Beratung und individueller Begleitung beim Übergang Schule-Beruf.

Berufliche Orientierung und der Übergang Schule-Beruf von Mädchen* und jungen Frauen*

Im Anschluss sprach Dr. Stefan Hofherr vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) über geschlechtsspezifische Unterschiede in der beruflichen Orientierung.
Der Vortrag verdeutlichte, wie stark Berufsentscheidungen von gesellschaftlichen Rollenbildern und Erwartungen geprägt sind. Mädchen* orientieren sich weiterhin häufiger an traditionellen Berufsbildern und ziehen technische oder handwerkliche Berufe seltener in Betracht. Betont wurde die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Berufsorientierung, die stereotype Zuschreibungen reflektiert und individuelle Interessen und Potenziale stärkt.

Potenziale von Mädchen* und Frauen* für die Fachkräftesicherung

Dr. Lydia Malin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beleuchtete die Frage, wie das Potenzial von Mädchen* und Frauen* stärker für die Fachkräftesicherung genutzt werden kann und brachte die Perspektive der Wirtschaft und von Unternehmen mit ein.
Trotz guter schulischer Abschlüsse münden junge Frauen* seltener in das duale Ausbildungssystem ein und konzentrieren sich weiterhin auf wenige Ausbildungsberufe. Als zentrale Ursachen wurden Geschlechterstereotype, fehlende Vorbilder sowie strukturelle Benachteiligungen benannt. Der Vortrag machte deutlich, dass geschlechtersensible Berufsorientierung und bessere Rahmenbedingungen wichtige Voraussetzungen für mehr Chancengleichheit sind.

Fishbowl-Diskussion: Perspektiven aus Praxis, Forschung und Beratung

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion kamen unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Forschung und Beratung miteinander ins Gespräch. Beteiligt waren:

  • Ulrike Sammet, LAG  Mädchen*politik und Netzwerk Teilzeitausbildung BW sowie Bundesweites Netzwerk Teilzeitberufsausbildung
  • Tarla B. Naffin, Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg (AJO) e.V.
  • Dr. Lydia Malin, Institut der deutschen Wirtschaft
  • Hanna Kunas, Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
  • Helia Geller-Fehling, juniver – Jugendberufshilfe Diakonie Hannover gGmbH

Diskutiert wurden insbesondere Geschlechterstereotype in der Berufsorientierung, Diskriminierungserfahrungen sowie die Bedeutung empowernder und niedrigschwelliger Unterstützungsangebote. Deutlich wurde zudem die Relevanz intersektionaler Perspektiven und langfristiger Begleitung junger Frauen*.

Workshops: Gute Praxis und konkrete Handlungsperspektiven

Im zweiten Teil des Fachtags standen parallele praxisorientierte Workshops im Mittelpunkt, in denen konkrete Ansätze und „best practice“-Beispiele aus unterschiedlichen Regionen und Feldern vorgestellt wurden.

Im Workshop des Handwerkerinnenhaus Köln e.V. stellten Jennifer Grabe und Hanna Kunas Methoden gendersensibler Berufsorientierung vor und thematisierten den Einfluss von Geschlechterklischees auf Berufswahlentscheidungen.

Anja Tschanter von der LAG  Mädchen*politik und dem Netzwerk Teilzeitausbildung BW sowie dem Bundesweiten Netzwerk Teilzeitberufsausbildung informierte über Möglichkeiten und Herausforderungen der Teilzeitberufsausbildung als wichtigen Baustein für junge Mütter und Frauen* mit Care-Verantwortung.

Im Workshop von Emine Öztürk und Tarla B. Naffin von der Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg (AJO) e.V. wurden niedrigschwellige und digitale Unterstützungsangebote für Mädchen* und junge Frauen* mit Migrations- oder Fluchterfahrungen vorgestellt (Projekt mogly 2.0).

Das Projekt NIFA plus – Netzwerk zur beruflichen Teilhabe von Geflüchteten mit Lea Engisch, Katarzyna Hendzak und Burcu Konag zeigte anhand konkreter Praxisbeispiele Herausforderungen und Unterstützungsansätze für geflüchtete junge Frauen* beim Übergang Schule-Beruf auf.

Im Workshop von Andreas Foitzik vom adis e.V. stand die diskriminierungssensible Beratung junger Frauen* mit Kopftuch im Fokus. Thematisiert wurden insbesondere machtsensible und weißkritische Perspektiven in der Beratungspraxis sowie die Herausforderungen durch vorherrschende strukturelle Diskriminierungen und Rassismen in der Gesellschaft sowie am Arbeitsmarkt.

Fazit und Ausblick

Der Fachtag machte deutlich, dass Mädchen* und junge Frauen* am Übergang Schule-Beruf weiterhin mit vielfältigen strukturellen Hürden, Geschlechterstereotypen und Diskriminierungserfahrungen konfrontiert sind. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie viele engagierte Fachkräfte, Projekte und Initiativen bundesweit bereits daran arbeiten, gerechtere und empowernde Unterstützungsstrukturen zu schaffen.

Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, wie wichtig bundesweite Vernetzung, gegenseitiges Lernen und der Transfer von Wissen und „best practice“-Ansätzen sind.

Zentrale Erkenntnisse des Fachtags waren:

  • Geschlechtersensible und intersektionale Perspektiven müssen strukturell stärker verankert werden.
  • Fachkräfte benötigen Räume für Reflexion, Austausch und Qualifizierung.
  • Niedrigschwellige, empowernde und langfristige Begleitung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.
  • Junge Frauen* brauchen mehr Sichtbarkeit, Unterstützung und echte Wahlmöglichkeiten bei der Berufsorientierung.
  • Diversitäts- und diskriminierungssensible Ansätze sind unverzichtbar für chancengerechte Übergänge. 

Die BAG EJSA wird an diesen Themen weiterarbeiten und auch künftig bundesweite Austausch- und Vernetzungsformate anbieten. Ziel bleibt es, Fachkräfte über unterschiedliche Professionen, Handlungsfelder und Bundesländer hinweg miteinander zu vernetzen, Wissenstransfer zu fördern und gemeinsam gute Praxis weiterzuentwickeln. Gerade in herausfordernden Zeiten sind solche Räume des Austauschs, der gegenseitigen Stärkung und des Empowerments wichtiger denn je.

Dokumentation

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