Beim zweiten Austausch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Florian Bilic, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, traf die BAG EJSA den Abgeordneten am 9. Juli 2026 in seinem Bundestagsbüro. Nachdem das erste Gespräch im Oktober 2025 in seinem Wahlkreisbüro in Pirmasens (Rheinland-Pfalz) stattgefunden hatte, bot das erneute Treffen Gelegenheit, aktuelle sozial- und jugendpolitische Entwicklungen sowie die Auswirkungen der laufenden Reformvorhaben auf die Jugendsozialarbeit zu erörtern.
Zu Beginn des Gesprächs wurden die aktuelle politische Lage sowie die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen und Sachsen-Anhalt thematisiert. Dabei wurde die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und die Stärkung demokratiefeindlicher Kräfte mit Sorge betrachtet. Beide Seiten unterstrichen die Bedeutung eines sachlichen politischen Austauschs und tragfähiger demokratischer Strukturen. Hinsichtlich des Reformkurses der Bundesregierung mit Blick auf Sozialstaat, Arbeitsmarkt, Rente und Gesundheitswesen wiederum hob Florian Bilic hervor, dass insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels konkrete Reformschritte und damit verbundene Einsparungen notwendig seien und würdigte die Arbeit der eingesetzten Expertenkommissionen.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen anschließend die aktuellen Herausforderungen der Jugendsozialarbeit. Die BAG EJSA machte deutlich, dass junge Menschen in den derzeitigen politischen Debatten vielfach zu wenig Beachtung finden. Es brauche ein klares politisches Signal, dass die Förderung junger Menschen Zukunftsinvestitionen sind, gerade auch angesichts steigender psychischer Belastungen, zunehmenden Schulabsentismus und insgesamt immer komplexerer Unterstützungsbedarfe.
Ausführlich thematisiert wurden auch die Rahmenbedingungen der Jugendberufshilfe. Die BAG EJSA verwies auf die Anhörung zum 18. Kinder- und Jugendbericht, in der deutlich geworden sei, dass passgenaue Unterstützungsangebote vor Ort zwar vorhanden seien, deren Finanzierung jedoch häufig an komplizierten Zuständigkeiten und Abstimmungsnotwendigkeiten zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Jobcentern, Arbeitsagenturen und weiteren Leistungsträgern scheitere. Viel zu häufig hänge eine gelingende rechtskreisübergreifende Kooperationen vom Engagement einzelner Personen in den öffentlichen Strukturen ab. Bei deren Fortgang oder Fehlen fiele insbesondere die Zielgruppe der benachteiligten jungen Menschen durch das Hilfesystem. Aus Sicht der BAG EJSA braucht es daher verbindliche Strukturen und Finanzierungsmodelle, die eine Zusammenarbeit der verschiedenen Rechtskreise vorab regeln und erleichtern, anstatt die Verantwortung für die Finanzierung auf die Träger zu verlagern. – Hierfür lobbyiere die BAG EJSA bereits seit vielen Jahren.
Anhand konkreter Fälle aus mehreren Bundesländern zeigte die BAG EJSA auf, wie erfolgreich dauerhaft finanzierte Angebote wirken können. (V.a. Bayern wurde dahingehend als Vorzeigebeispiel benannt, mit der besonderen Regelung der Berufsschulpflicht, die somit auch für den Leistungserbringer verpflichtend gelte.) Einrichtungen mit einer engen Verzahnung von Qualifizierung, sozialpädagogischer Begleitung und psychologischer Unterstützung erzielten nachhaltige Erfolge bei der Integration junger Menschen. – Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele dieser Angebote überwiegend über befristete Projektmittel finanziert werden und damit dauerhaft unter erheblichem Planungsdruck stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Unsicherheit infolge geplanter Mittelkürzungen auch im KJH-Bereich und auslaufender Förderprogramme. Thematisiert wurden die Streichungen des Mental Health Coaches und Respekt Coaches Bundesprogramms sowie der Bildungsberatung des Garantiefonds Hochschule, der junge Zugewanderte bei der Vorbereitung eines Hochschulstudiums in Deutschland unterstützt. Auch die Ungewissheit mit Blick auf eine potenziell vollständige Auflösung des Demokratie Leben!-Bundesprogramms und die Frage der Mittelumwidmung wurde angesprochen.
Die BAG EJSA schilderte die Situation vieler Träger vor Ort: Die fehlende Planungssicherheit darüber, ob und in welcher Mittelhöhe Programme fortgeführt würden, erschwere Planungs- und Personalentscheidungen erheblich. Infolge der immer kurzfristigeren ministeriellen Entscheidungen zu Programmabwicklungen unterließen es immer mehr Träger, neue Maßnahmen zu beantragen oder bestehende Angebote weiterzuführen. Die BAG EJSA warnte davor, dass diese Entwicklung zum Abbau funktionierender sozialer Infrastruktur führe; insbesondere im ländlichen Raum, wo vielerorts bereits jetzt nur noch wenig Angebote vorhanden seien.
Darüber hinaus äußerte die BAG EJSA ihre Sorge über die zunehmende Infragestellung bewährter Strukturen der Freien Wohlfahrtspflege. Notwendige Haushaltskonsolidierungen dürften nicht zulasten der sozialen Infrastruktur und der Rechtsansprüche junger Menschen erfolgen. Vielmehr brauche es einen verlässlichen Dialog mit den Trägern sowie langfristige Finanzierungsperspektiven, um die notwendige Unterstützung benachteiligter junger Menschen dauerhaft sicherzustellen.
Florian Bilic nahm die geschilderten Erfahrungen und Einschätzungen auf und sagte zu, diese in die CDU/CSU-Bundestagsfraktion mitzunehmen. Die BAG EJSA betonte das Anliegen, nicht nur mit Abgeordneten des Jugend- und Bildungsausschusses im Austausch zu sein, sondern die Informationen zu den beschriebenen Entwicklungen und Auswirkungen auf die Jugendsozialarbeit breiter im parlamentarischen Raum zu streuen. Sie bot entsprechend an, den fachpolitischen sowie politikfelderübergreifenden Austausch auch künftig fortzusetzen und ihre Perspektiven von Bundesebene sowie die ihrer Mitglieder aus den Ländern weiterhin in die parlamentarischen Beratungen einzubringen.