10.07.2026 Zwischenruf der BAG EJSA zur Strategie „Mentale Gesundheit für junge Menschen“
Junge Menschen in Deutschland stehen vor widersprüchlichen Herausforderungen: Einerseits werden sie als wirtschaftliche Ressource oder Garant für stabile Sozialsysteme betrachtet, andererseits wird von ihnen Verzicht auf Unterstützung, Förderung und nichtkommerzielle Freizeitangebote gefordert. Gleichzeitig verschärfen Sparmaßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen diese Problemlage. Die Folgen für die mentale Gesundheit sind alarmierend.
Aktuelle Studien zeigen, dass psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen dauerhaft hoch sind:
- Jedes vierte Kind ist psychisch belastet, ein Drittel erlebt regelmäßig Mobbing, und die Hälfte fühlt sich durch Leistungsdruck überfordert (Deutsches Schulbarometer 2026).
- Jedes fünfte Kind zeigt depressive Symptome, während Stress, Angst und psychosomatische Beschwerden zunehmen (COPSY-Studie 2025).
- 61 % der Jugendlichen waren bereits psychisch belastet, doch nur wenige sprechen darüber (SINUS/BARMER-Jugendstudie 2024/25).
Diese Zahlen stehen für reale junge Menschen, die Angst, Überforderung und Rückzug erleben. Ohne Unterstützung drohen aus akuten Belastungen chronische Probleme zu werden.
Das Bundesmodellprogramm „Mental Health Coaches“ hat gezeigt, wie wirksame Prävention gelingen kann: Durch niedrigschwellige Angebote in Schulen konnten junge Menschen Halt finden, ihre Resilienz stärken und frühzeitig Unterstützung erhalten. Doch das Programm machte auch strukturelle Defizite deutlich:
- Schulen brauchen dauerhafte psychosoziale Strukturen, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden.
- Modellprogramme dürfen nicht verpuffen – sie müssen von Anfang an so konzipiert sein, dass ihre Ergebnisse nachhaltig in die Regelversorgung überführt werden.
Eine wirksame Strategie zur Förderung der mentalen Gesundheit junger Menschen muss mehrdimensional sein:
- Niedrigschwellige Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sowie Jugendsozialarbeit müssen gestärkt werden, um bewertungsfreie Räume zu schaffen.
- Schulsozialarbeit muss ausgebaut werden, um präventiv wirken zu können.
- Nachhaltige Finanzierung und föderale Zusammenarbeit sind notwendig, damit gesundes Aufwachsen nicht vom Wohnort oder der Herkunft abhängt.
Junge Menschen haben ein Recht auf gesundes Aufwachsen – unabhängig von ihrer Situation. Sie brauchen Sicherheit, Unterstützung und die Gewissheit, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Die BAG EJSA setzt sich dafür ein, dass alle jungen Menschen in Deutschland Zugang zu förderlichen Bedingungen erhalten. Die Einbindung der Jugendsozialarbeit in die Strategie „Mentale Gesundheit für junge Menschen“ und nachhaltige Investitionen in die soziale Infrastruktur sind dabei zentrale Schritte.