Stärken fördern, Perspektiven eröffnen - Mädchen* am Übergang Schule-Beruf - Rolle und Aufgabe der Jugendsozialarbeit
Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf ist für viele junge Menschen eine herausfordernde Phase – für Mädchen* und junge Frauen* mit und ohne Migrationshintergrund jedoch in besonderem Maße. Ihre Berufswahl erhält oft weniger Aufmerksamkeit und Unterstützung, obwohl sie mehrfachen Hürden begegnen: geschlechtsspezifischen Diskriminierungen, gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen, einem dadurch eingeschränkten Berufswahlspektrum sowie einem Mangel an geschlechtssensiblen Unterstützungsangeboten. Für junge zugewanderte Frauen* verschärfen sich diese Herausforderungen durch rechtliche Rahmenbedingungen, Sprachbarrieren, erschwerten Zugang zu Angeboten und Rassismuserfahrungen.
Fachkräfte der Jugendsozialarbeit und Jugendberufshilfe sind daher besonders gefordert, Übergänge in Ausbildung und Beruf aktiv zu begleiten und passgenaue, geschlechtergerechte Unterstützung zu entwickeln.
Die Online-Veranstaltung nimmt aktuelle Entwicklungen, Bedarfe und Praxisansätze in den Blick und bietet Raum für Austausch, Diskussion und Vernetzung.
Leitfragen für die Veranstaltung
- Welche besonderen Herausforderungen erleben Mädchen* und junge Frauen* am Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf – insbesondere mit Blick auf Migrationserfahrungen?
- Wie können Nicht-BiPoC-Fachkräfte in ihrer Selbstreflexion gestärkt werden, um eine weißkritische, machtsensible, klischee- und vorurteilsfreie Beratung und Unterstützung zu gewährleisten?
- Wie können bestehende Unterstützungsstrukturen geschlechtssensibel weiterentwickelt werden?
- Welche rechtlichen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen tragen zur Förderung von Chancengleichheit bei – und welche wirken als Hürden?
- Welche Rolle spielt die Teilzeitberufsausbildung nach der BBiG-Novelle für junge Frauen* mit Care-Verantwortung?
- Wie können Fachkräfte der Jugendsozialarbeit und Jugendberufshilfe Mädchen* und junge Frauen* empowern, ihren Weg selbstbewusst und erfolgreich zu gestalten?
- Wie können junge Menschen diversitätssensibel, jugendgerecht und geschlechtsspezifisch – digital wie analog– in ihrer Berufsorientierung wirksam angesprochen und erreicht werden?
- Welche Rolle spielen mentale Belastungen speziell in der Lebensphase des Schul-Berufsübergangs und mit welchen spezifischen Herausforderungen sind hierbei Mädchen* und junge Frauen* heute konfrontiert? Wie können Fachkräfte solche Belastungen (wie Diskriminierung, Leistungsdruck oder familiäre Erwartungen) sensibel berücksichtigen und zur Stärkung der mentalen Gesundheit der Zielgruppe beitragen?
Tagungsprogramm
9:00 Begrüßung und interaktives Kennenlernen
Vorstellung des Programms und der Leitfragen, Blick ins Publikum
9:10 Uhr Impuls I: Die Situation am Ausbildungsmarkt – Chancen und Herausforderungen
Dr. Franziska Schreyer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Als Einstieg in den Fachtag gibt der Vortrag einen Überblick über die aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt. Viele Ausbildungsstellen können nicht besetzt werden, gleichzeitig münden viele Ausbildungsinteressierte nicht in Ausbildung ein. Die Zahl junger Erwachsener ohne Berufsabschluss wächst. Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge liegt weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Schließen junge Menschen aber eine Ausbildung erfolgreich ab, sind ihre Chancen auf Übernahme durch den Betrieb deutlich höher als in früheren Jahren. Der Vortrag beleuchtet auch die Unterschiede zwischen jungen Männern und jungen Frauen am Übergang ins Ausbildungssystem sowie die Rolle der Migrationsgeschichte beim Übergang und im Ausbildungsverlauf. Die Rolle der Beratung in der Berufsorientierung junger Menschen wird ebenfalls dargestellt.
9:40 Uhr Impuls II: Berufliche Orientierung und der Übergang Schule-Beruf von Mädchen* und jungen Frauen*
Dr. Stefan Hofherr, Wissenschaftlicher Referent am Deutschen Jugendinstitut
Die Berufs- und Studienwahl stellt eine zentrale Herausforderung des Jugendalters dar. Der Vortrag geht zuerst allgemein auf die Bedeutung, die Herausforderungen und die beteiligten Akteure in der Beruflichen Orientierung ein. Danach werden geschlechtsspezifische Unterschiede in den nachschulischen Plänen und Berufswünschen von Schülerinnen und Schülern betrachtet und wie diese durch verschiedene Akteure der Beruflichen Orientierung beeinflusst werden. Zuletzt werden langfristige Schule-Beruf Übergänge von jungen Frauen und Männern betrachtet.
10:10 Uhr Impuls III Wie wir das Potenzial von Mädchen* und Frauen* noch besser für die Fachkräftesicherung erschließen können
Dr. Lydia Malin, Institut der deutschen Wirtschaft, Senior Economist für berufliche Qualifizierung und Fachkräfte
Obwohl Mädchen* inzwischen oft bessere Schulabschlüsse haben als ihre männlichen Peers, münden sie seltener in das duale System ein, konzentrieren sich bei der Berufswahl auf wenige „Frauenberufe“ und arbeiten häufiger als Männer* in Jobs, für die sie formal überqualifiziert sind. Im Ergebnis bleibt ein enormes Potenzial für die Fachkräftesicherung ungenutzt und die strukturelle Benachteiligung von Frauen* verfestigt sich. Im Vortrag werden die Hindernisse auf dem Weg junger Frauen* in ihr Berufsleben beleuchtet und konkrete Handlungsfelder für ihre Unterstützung abgeleitet.
10:40 Uhr Pause & Vernetzung
Austausch im Chat und auf dem Padlet
10:55 Uhr Fishbowl-Diskussion
Austausch zu Leitfragen aus unterschiedlichen Perspektiven
- Ulrike Sammet, LAG-Mädchen* Baden-Württemberg
- Tarla B. Naffin, Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg (AJO) e.V.
- Dr. Lydia Malin, Institut der deutschen Wirtschaft
- Hanna Kunas, Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
- Helia Geller-Fehling, juniver – Jugendberufshilfe Diakonie Hannover gGmbH
11:25 Uhr Gute Praxis I: Inklusive Angebote
Über Geschlecht, Berufswahl und Selbstbestimmung - Geschlechterklischees demontieren mit dem Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
- Jennifer Grabe, Tischlermeisterin und Werkanleiterin im Baustein „Holly Wood“,
- Hanna Kunas, Sozialpädagogin und Ansprechpartnerin für das Projekt „Mädchen machen Karriere“, die Fachkräfteschulung und den Praxispool
Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
Hat Geschlecht einen Einfluss auf die Berufswahl? Und welche Rolle spielen dabei Geschlechterklischees? In unserem Workshop reflektieren wir Geschlechterrollen, die Teilnehmer*innen bekommen Impulse aus der gendersensiblen beruflichen Orientierung und wir geben einen Einblick in die Praxis des Handwerkerinnenhaus Köln e.V.
Unsichtbare Hürden: Frauen im Handwerk zwischen Anerkennung und Realität
- Michaela Hoffmann, Vorstand, Projektleiterin, Tischlermeisterin
Land in Sicht – Ausbildungsprojekte e.V.
In unserem Austausch beleuchten wir die Erfahrungen von Frauen im Handwerk auf Grundlage eines Austauschs mit zahlreichen Handwerkerinnen. Dabei werden wiederkehrende Herausforderungen sichtbar, die von struktureller Benachteiligung bis hin zu alltäglichen Vorurteilen reichen.
Thematisiert werden unter anderem:
- die Unterschätzung fachlicher Kompetenzen und logischer Fähigkeiten
- stereotype Zuschreibungen in Bezug auf körperliche Leistungsfähigkeit
- der Umgang mit gesundheitlichen Aspekten wie menstruationsbedingten Belastungen
- finanzielle Ungleichbehandlung
- erhöhte Leistungsanforderungen zur Erlangung von Anerkennung
- geschlechtsspezifische Zuschreibungen im Umgang mit Kritik
- Erfahrungen mit sexuellen Bemerkungen und Grenzüberschreitungen
Ziel des Austausches ist es, diese Erfahrungen sichtbar zu machen, gemeinsam zu reflektieren und konkrete Ansätze für Veränderungen im Arbeitsalltag sowie in der Ausbildung zu entwickeln.
Berufsausbildung in Teilzeit – eine Chance für junge Mütter und Betriebe
- Bettina Schmidtmann, Stellv. Abteilungsleiterin,
SINA – Soziale Integration Neue Arbeit, Diakonisches Werk Hannover gGmbH
Ausbildung und Familie unter einen Hut zu bringen ist für junge Mütter, gerade wenn sie alleinerziehend sind, eine besonders große Herausforderung. Bei SINA (einer Abteilung der Diakonisches Werk Hannover gGmbH) erhalten junge Mütter Unterstützung bei der Suche nach einem Berufsausbildungsplatz in Teilzeit im dualen System und Begleitung während der Berufsausbildung bis zum erfolgreichen Berufsabschluss vor den Kammern. Junge Mütter finden hier Hilfe beim Lernen und bei diversen Themen rund um die Berufsausbildung mit Kind.
Im Austausch geht es auch um folgende Fragen: Für wen ist eine Teilzeitausbildung geeignet und wie läuft sie ab? Bedeutet eine Teilzeitausbildung besondere Herausforderungen für die Auszubildenden und für die Betriebe?
Wie bereitet SINA die Teilnehmenden auf eine Berufsausbildung vor und welche Unterstützung erhalten die Teilnehmenden während der Berufsausbildung?
12:10 Uhr Gute Praxis II: Migrationsspezifische Angebote
Wie erreichen wir Mädchen mit Migrations- oder Fluchthintergrund? Wie können wir diese Zielgruppe dabei unterstützen, Chancen zu nutzen und Barrieren zu überwinden?
- Emine Öztürk, Juristin, Mitarbeiterin im Projekt mogly 2.0.,
- Tarla B. Naffin, Pädagogische Leitung der AJO e.V.
mogly 2.0, Aktion Jugendberufshilfe in Ostwürttemberg (AJO) e.V.
In mogly 2.0 begleiten wir neben männlichen Jugendlichen Mädchen und junge Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf. Unser Schlüssel: niedrigschwellige Zugänge, ganzheitliche Übergangsbegleitung, Beratung auf Augenhöhe und innovative digitale Angebote wie Digital Camps und Lernwerkstätten. So stärken wir Kompetenzen, schaffen Vertrauen und eröffnen neue Perspektiven – auch über die klassische Berufsorientierung hinaus. Unsere Erfahrungen zeigen: Digitale Formate, individuelle Unterstützung und Vernetzung sind zentrale Erfolgsfaktoren für nachhaltige Teilhabe.
Erleben Sie in unserer Breakout-Session, wie wir Herausforderungen begegnen, Erfolge sichtbar machen und gemeinsam Zukunftsperspektiven für Mädchen und junge Frauen gestalten!
Herausforderungen und Wege für Geflüchtete beim Übergang Schule-Beruf: Erfahrungen aus dem Projekt NIFA plus – Netzwerk zur beruflichen Teilhabe von Geflüchteten
- Lea Engisch, Projektkoordination (Werkstatt PARITÄT),
- Katarzyna Hendzak, Projektmitarbeiterin (Jugend- und Sozialamt Stadt Pforzheim)
- Burcu Konag Projektmitarbeiterin (AGDW e.V.),
NIFA plus – Netzwerk zur beruflichen Teilhabe von Geflüchteten
Der Workshop führt in die Arbeit des Projekts NIFA plus ein und zeigt, mit welchen Herausforderungen Geflüchtete generell und junge geflüchtete Frauen im Besonderen konfrontiert sind und wie die Berater*innen von NIFA plus anhand verschiedener Ansätze stufenweise, ganzheitlich, familienorientiert und empowernd zu mehr Teilhabe am Arbeitsmarkt der Zielgruppe beitragen. Anhand realer Fälle werden Barrieren sichtbar gemacht und praxisrelevante Lösungsansätze diskutiert.
„Bunte junge Frauenpower“ – ein Gruppenangebot des JMD Nürnberg
- Monika Hopp, Jugendreferentin, Diplom-Sozialpädagogin. Traumapädagogin, Interkulturelle Trainerin und Beraterin
Jugendmigrationsdienst (JMD) Nürnberg, Evangelische Jugend Nürnberg
Der JMD Nürnberg berät und begleitet zugewanderte junge Menschen bei beruflichen, schulischen und sozialen Integrationsprozessen. Neben der Einzelfallberatung organisiert der JMD auch Gruppenangebote. Monika Hopp gibt Einblicke in die Arbeit mit der bunten jungen Frauenpowergruppe. In diesem wöchentlichen Gruppenangebot finden junge Frauen unterschiedlicher Herkunft einen Raum für Austausch und gegenseitige Stärkung. Parallel werden sie vom JMD unterstützt. Angesichts der Streichung der Integrationskurse ist dieses Angebot für die Zielgruppe der jungen Frauen besonders wichtig.
Ein Stück Stoff auf dem Arbeitsmarkt– diskriminierungssensible Beratung von jungen Frauen mit Kopftuch
- Andreas Foitzik
adis e.V. - Antidiskriminierung – Empowerment –Praxisentwicklung, Tübingen
Junge Frauen*, die ein Kopftuch tragen, erleben beim Zugang in den Arbeitsmarkt vielfältige Diskriminierung. In unserem Workshop reflektieren wir die Möglichkeiten in der Beratung, sie auf diesem Weg zu unterstützen. Wie können wir das „Thema Kopftuch“ ansprechen, ohne die jungen Frauen* selbst wieder auf dieses Stück Stoff zu reduzieren?
12:50 Abschluss & Ausblick
13:00 Tagungsende
Organisatorische Hinweise
Bitte melden Sie sich über das Anmeldeformular weiter unten bis spätestens 18. Mai 2026 an.
Zielgruppe:
Fachkräfte aus allen Handlungsfeldern der Jugendsozialarbeit
Anmeldeschluss: 18. Mai 2026
Ansprechpartnerin für organisatorische Fragen: Aysel Karipidis; 0711 16489-25
Tagungstechnik: Die Tagung wird mit dem Videokonferenzsystem Zoom durchgeführt. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise und stellen Sie sicher, dass Sie am Tagungstag sowohl eine stabile Internetverbindung als auch die Möglichkeit haben, an einer Zoom-Konferenz teilzunehmen.