JMD digital - virtuelle Beratungsstrukturen für ländliche Räume

Junge Menschen erreichen. „beraten – begleiten – bilden“. Das ist das Ziel der Jugendmigrationsdienste (JMD). Fast 500 Standorte der vier Trägergruppen Arbeiterwohlfahrt, Internationaler Bund, Evangelische und Katholische Jugendsozialarbeit wirken in Deutschland und bauen ihre Präsenz mit digitalen Beratungsstrukturen in ländlichen Räumen aus.

JMD digital - Jugendmigrationsdienste entwickeln digitale Beratungsstrukturen für ländliche Räume

Kick-Off Veranstaltung „JMD digital – virtuelle Beratungsstrukturen für ländliche Räume“ am 22. Juni 2021

Die Kick-Off Veranstaltung „JMD digital – virtuelle Beratungsstrukturen für ländliche Räume“ (kurz: JMD digital) am 22. Juni 2021 bildet den offiziellen Start des Modellprojekts. Anwesend sind 200 Mitarbeitende aus der Jugendsozialarbeit, die es jungen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland einfacher machen wollen. Einfacher, einen Ausbildungsplatz zu finden, eine Jobzusage zu bekommen, eine bezahlbare Wohnung zu mieten. Die JMD wollen ihre Präsenz in den ländlichen Gebieten ausbauen, auch wenn hier nur ein Viertel der neu zugewanderten jungen Menschen lebt. Die  langen Wege und die „lange Leitung“ sollen kürzer werden, digital und nachhaltig.

Özcan Ülger eröffnet die Veranstaltung. Er bringt seine  Erfahrungen  als Projektleiter der Onlineberatung jmd4you und des Projekts „dig.it – digitale Zugangsstrukturen für die Erstintegration“ in das neue Modellprojekt ein.

Die vier Fachreferent*innen stellen sich und ihren jeweiligen Träger vor. Fachreferentin der BAG EJSA ist Vera Mayr, sie ist für die vier evangelischen Modellstandorte Herford, Ratzeburg, Kirchheimbolanden und Rothenburg o. d. T. zuständig.

Trotz seiner Vorzüge ist das Landleben nicht für alle Menschen ein Paradies. Prof. Glorius benennt in ihrem Eröffnungsvortrag die zentralen positiven Aspekte: Eine funktionierende Nachbarschaft, ein reges Sport- und Vereinsleben, mehr soziale Kontakte als in der Stadt. Aber sie zeigt auch, dass das Bierchen nach dem Fußballtraining für Zugewanderte nicht so selbstverständlich sein muss wie für die Dorfjugend.

Wissen und Erfahrungsaustausch in vier Workshops

Vinda Gouma von der Berliner Minor gGmbH berichtet im Workshop „Digital Streetwork“ von 140 Frauen- und 44 Müttergruppen, die in Social-Media-Spaces niederschwellige Beratung anbieten. Dabei sind Arbeitsmarktfragen und Aufenthaltsregeln genauso wichtig wie Ehe und Partnerschaft oder Hilfestellung bei Ämtern und Behörden. Ihren Service bieten die Beratungsteams in zehn Sprachen an.

Im Workshop „Ländlicher Raum“ mit Janin Bandelier vom JMD Waren (Müritz) stehen die Herausforderungen des weitläufigen Einzugsgebietes und der langen Fahrtzeiten im Mittelpunkt.

Onlineberatung und physische Beratung werden im Workshop mit Heinz Thiery (Deutschsprachige Gesellschaft für psychosoziale Online-Beratung, DGOB) verglichen. Online spielt ein reflektierter Umgang mit Sprache, eine zentrale Rolle.

Spielen ist das Stichwort im Workshop „Virtuelle Erfahrungs- und Lernwelten“, in dem Gerrit Neundorf von Spawnpoint - Institut für Spiel- und Medienkultur e.V. , indem die Teilnehmenden Informationen über aktuelle Strömungen in der digitalen, spielerischen Wissensvermittlung erhalten.

Sowohl in den Workshops als auch im Plenum der Online-Veranstaltung herrscht ein reger und motivierter Austausch. Voller Tatendrang verabschieden sich die Teilnehmenden aus dem Online-Treffen. Mit „JMD digital“ wollen und werden sie es jungen Menschen in Deutschland einfacher machen.

Digitalisierung der JMD – das Modellprojekt

Das Modellprojekt „JMD digital" wird vom Bundesfamilienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bis Oktober 2022 gefördert und aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) kofinanziert. Mit digitalen Strategien soll es zur Integration und Teilhabe junger Menschen beitragen.

Das Modellprojekt „JMD digital“ hat insgesamt 16 Modellstandorte von Nord bis Süd und Ost bis West. Die vier Standorte der BAG EJSA liegen in Ratzeburg, Herford, Kirchheimbolanden und Rothenburg.
Bis Herbst 2022  werden digitale Ideen getestet: Beim„Digital Streetwork“, geht es darum, Informationsvermittlung und Verweisberatung in den digitalen Räumen auf Social-Media-Plattformen anzubieten. In virtuellen Erfahrungswelten sollen typische Situationen wie Behördengänge oder Bewerbungsgespräche simuliert werden. Und die orts- und zeitunabhängige Online-Beratung soll an die Bedürfnisse der jungen Zugewanderten im ländlichen Raum angepasst und erweitert werden.

Konkret geht es darum, digitale Angebote zu formulieren, digitale Kompetenzen auszubauen und das alles in der JMD-Landschaft bekannt zu machen: Zwischen Ratzeburg und Heidenheim, zwischen Euskirchen und Wernigerode.

Für „JMD digital“ trägt Hermann Winterholler, Projektkoordinator im JMD-Servicebüro, zusammen mit Vertreter*innen der vier Trägergruppen Arbeiterwohlfahrt, Internationaler Bund, Evangelische und Katholische Jugendsozialarbeit ebenfalls zur Weiterentwicklung der Digitalisierung innerhalb der JMD bei.