Am 23.1.2026 wurde die Studie „Schulsozialarbeit im bundesweiten Vergleich“ (SibV) von Lars Bieringer und Nachwuchsprofessor Dr. Sebastian Rahn (htw saar) vorgestellt. Die Untersuchung bietet erstmals bundesweit vergleichbare Daten zu Organisationsstrukturen, Angeboten und Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit in einem bislang kaum systematisch erfassten Feld.
Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit würdigt ausdrücklich die hohe Qualität und den Ertrag dieser Forschungsarbeit. Mit ihrem bundesweiten Vergleich leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zur fachlichen und politischen Diskussion und stellt einen bedeutsamen Schritt in Richtung einer langfristigen statistischen Erfassung der Schulsozialarbeit dar.
Aus Sicht des Kooperationsverbundes ist ein zentrales Qualitätsmerkmal von Schulsozialarbeit im engeren Sinne ihre fachliche Unabhängigkeit vom Unterrichtsgeschehen und vom Selektionsauftrag der Schule. Ihre besondere Wirksamkeit entfaltet sie gerade dadurch, dass Fachkräfte als „andere Erwachsene“ im System Schule agieren und die Anliegen sowie das Wohl junger Menschen konsequent im Sinne der Kinderrechtskonvention vertreten. In der Studie werden jedoch auch Angebote erfasst, die aus fachlicher Perspektive nicht als Schulsozialarbeit im engeren Sinne zu bewerten sind. Dies verweist auf eine Schwäche des noch jungen § 13a SGB VIII, der Schulsozialarbeit bislang nicht durch fachliche Merkmale konkretisiert, sondern diese Ausgestaltung den Ländern überlässt.
Die Ergebnisse der Studie machen zudem deutliche Entwicklungsbedarfe für die Praxis sichtbar. Diese betreffen insbesondere den Umgang mit digitalen Lebenswelten junger Menschen, eine diskriminierungskritische Ausrichtung der Arbeit sowie die stärkere sozialräumliche Verankerung. Ebenso zeigt sich ein Bedarf an einer systematischeren Beteiligung junger Menschen bei der Gestaltung der Angebote. Gleichzeitig wird deutlich, dass offene Angebote und projektbezogene Arbeit mit Klassen zunehmend hinter Beratungs- und Krisenintervention zurücktreten. Der Kooperationsverbund bewertet diese Entwicklung kritisch: Schulsozialarbeit sollte vorrangig präventiv und früh-intervenierend ausgerichtet sein und nicht primär die Funktion einer allgemeinen Krisenanlaufstelle übernehmen.
Die besondere Stärke der SibV-Studie liegt in ihrem bundesweiten Vergleich und ihrer systematischen Erfassung fachlicher Rahmenbedingungen. Zugleich ist sie auf die Perspektive der Fachkräfte begrenzt. Für zukünftige Erhebungen sieht der Kooperationsverbund daher die Notwendigkeit, die Sichtweisen von Kindern, Jugendlichen und Familien stärker in den Mittelpunkt zu rücken sowie weitere Akteursgruppen wie Träger und Kooperationspartner einzubeziehen. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Institutionalisierung von Schulsozialarbeit ist es entscheidend, die Perspektiven junger Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren. Als gesellschaftliche Minderheit und zugleich Zukunft der Gesellschaft braucht es hierfür verstärkt direkte Gespräche und Erhebungen mit Kindern, Jugendlichen und Familien.
Zur Veranstaltung wurde bereits am Freitag ein Reel veröffentlicht.