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6. Projekte der Jungensozialarbeit

So lange Jungensozialarbeit kein allgemeiner Standard ist, sind Projekte für ihre Etablierung und für die Weiterentwicklung der Jugendsozialarbeit unverzichtbar. Sie bringen Innovationen in die Praxis, erproben Methoden und Konzepte, verändern Strukturen und Qualitätsanforderungen.

Projekte der Jungensozialarbeit können in der alltäglichen Arbeit mit Jungen platziert und integriert werden, indem die institutionelle Kultur oder vorhandene Angebote jungenbezogen „aufgeladen“ werden: Im Berufswahlseminar etwa geht es thematisch nicht nur um die berufliche Zukunft, sondern um „männliche“ Erwartungen an Berufstätigkeit und Lebensgestaltung. Daneben haben größere Jungen-Projekte mehr Eigenständigkeit: ein regelmäßiger Jungenabend, spezielle Jungenfreizeiten oder ein Jungenvideoprojekt. Dies kann bis zur weitgehend selbständigen Einrichtung der Jungensozialarbeit gehen: Sie hält ein spezielles Angebot vor, das sich in erster Linie an Jungen wendet. 

Der Begriff „Projekt“ leitet sich ab von lateinisch „proiacere“ = Vorwärtswerfen und meint übersetzt Vorhaben, Entwurf, Plan, Versuch. Mit dem Begriff Projekt verknüpft sich die Vorstellung, dass etwas Besonderes, Experimentelles und Zukunftsweisendes angegangen wird. Projekte sind deshalb üblicherweise zeitlich befristet: Wenn sie gelingen sollten ihre Erfahrungen und Ergebnisse in die normale Arbeit integriert oder als regelmäßiges Angebot übernommen werden.

Auch in Sozialarbeit und Sozialpädagogik haben Projekte den Charakter des Versuchs, des Ausprobierens. Sie eignen sich damit besonders für angestrebte Innovationen und unterscheiden sich von geprüften und abgesicherten Verfahren, Arbeitsformen oder Abläufen. Dies kommt der Entwicklung der Jungensozialarbeit zugute: Der experimentelle Charakter von Projekten erlaubt es, dass der Weg insgesamt, dass vor allem auch einzelne Versuche prozessorientiert und ergebnisoffen sein können.

Projekte setzen sich deutlich ab vom Üblichen, sie sind spezielle Angebote innerhalb bereits bestehender Arbeitsfelder. Und Projekte sind Praxis, sie begnügen sich nicht mit theoretisch-abstrakten Lösungen für Probleme, sondern werden praktisch ausprobiert: am wirklichen, nicht am gedachten Fall – im Fall der Jungensozialarbeit also in der Lebenswelt und Lebenspraxis von Jungen.

Projekte ermöglichen die Entwicklung fachlicher Kompetenzen und konzeptioneller Ansätze im Ernstfall: Im Handeln und über das konkrete Tun eignen sich die Beteiligten das Wissen an, das für die eigene Praxis relevant und erfolgversprechend ist. Über das „Learning by Doing“ verbinden sich so Auftrag, Motivation und Bildungsaspekte. Fähigkeiten und Fertigkeiten werden dabei von den Projektbeteiligten mehr oder weniger eigenständig erworben und erweitert.

In der Jungensozialarbeit entstehen über Projekte neue Verknüpfungen der bisherigen Praxis mit jungenbezogener Qualität: Aspekte der jungenbezogenen Sozialarbeit schmiegen sich als Genderkompetenz an diese Praxis an. Gleichzeitig wird in Projekten der (mögliche) Nutzen der Jungensozialarbeit für die Beteiligten greifbar: Es zeigt sich, dass die Berücksichtigung von Genderaspekten nützlich ist und zur Verbesserung der Arbeit beiträgt; die Arbeit mit den Jungen wird konzentrierter und vielfältiger; die jungenbezogene Qualität der Arbeit rückt in den Vordergrund.

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