Jugendsozialarbeit und Schule

Schulbezogene Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit sind kontinuierliche professionelle Angebote der Jugendhilfe. Während sich die Angebote der Schulsozialarbeit grundsätzlich an alle Schülerinnen und Schüler einer Schule richten, wenden sich Angebote der schulbezogenen Jugendsozialarbeit an spezifische Zielgruppen.

Schulbezogene Jugendsozialarbeit

Die schulbezogene Jugendsozialarbeit gehört zum Kerngeschäft der Jugendsozialarbeit. Sie arbeitet mit benachteiligten und von Benachteiligung bedrohten jungen Menschen (und ihren Eltern) in Schulen oder in Kooperation mit Schulen.

Viele junge Menschen sind in der Schule und im Übergang von der Schule in den Beruf auf professionelle Unterstützung angewiesen.

Die schulbezogene Jugendsozialarbeit bietet jungen Menschen in vielfältige Angeboten Unterstützung für einen erfolgreichen Schulbesuch und einen gelungenen Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf an.

Schulsozialarbeit

Schulsozialarbeit ist ein kontinuierliches professionelles Angebot der Jugendhilfe, das von sozialpädagogischen Fachkräften am Ort Schule vorgehalten wird.

Für Kinder und Jugendliche, die an den Anforderungen der Schule scheitern oder zu scheitern drohen, sind die Angebote der Schulsozialarbeit entscheidende Hilfestellungen.

Schulsozialarbeit hat sich als eine besonders intensive und wirksame Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule in der Praxis bewährt und in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt. Sie setzt weitgehend präventiv an, beinhaltet ein niedrigschwelliges sozial-pädagogisches Angebot und organisiert im Kontext Schule Bildungsprozesse, die sowohl die Vermittlung sozialer Kompetenzen als auch die schulischen und berufsbezogenen Qualifikationen zum Ziel haben.

Ziele der Schulsozialarbeit

  • Schulsozialarbeit fördert die Persönlichkeitsentwicklung aller jungen Menschen und wirkt an der Verbesserung der Lern- und Lebensbedingungen an der Schule mit.
  • Schulsozialarbeit baut Bildungsbenachteiligungen ab und begleitet junge Menschen zum individuell bestmöglichen Bildungsabschluss.
  • Schulsozialarbeit trägt zu einer gelingenden schulischen, beruflichen und sozialen Integration von benachteiligten jungen Menschen.
  • Schulsozialarbeit wirkt an der Einbindung der Schule in den Sozialraum mit.
  • Schulsozialarbeit fördert Inklusion in Schulen.
  • Schulsozialarbeit gewährleistet gemeinsam mit Schule den Kinder- und Jugendschutz.

Zielgruppe und Kooperationspartner

Im Sinne eines konsequenten systemischen Arbeitens richtet sich das Handeln der Schulsozialarbeitenden an die jungen Menschen, ihre Eltern, an Personensorgeberechtigte, Lehrende sowie weitere Mitarbeitende in der Schule.

Insbesondere wendet sich Schulsozialarbeit an die jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligung und zur Überwindung individueller Beeinträchtigung in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind (§ 13 SGB VIII).

Darüber hinaus kooperiert Schulsozialarbeit mit den Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe (offene und verbandliche Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Hilfen zur Erziehung), mit weiteren Schulen, der Schulverwaltung, den örtlichen Betrieben und sonstigen relevanten Akteuren im Sozialraum.

Die Angebote der Schulsozialarbeit berücksichtigen in einem ganzheitlichen Ansatz die verschiedenen Lebensbereiche der Schülerinnen und Schüler, deren Situation in der Familie, die Freizeit und die Anforderungen seitens des Schulsystems. Schulsozialarbeit ist ein integrativer Ansatz, der Elemente der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes beinhaltet und diese mit Angeboten anderer Träger aus diesen Bereichen vernetzt.

Die Erfahrungen aus unserer Arbeit machen deutlich, dass die bisherige Bildungsdiskussion nicht auf den Bereich Schule beschränkt bleiben darf. Schulsozialarbeit ist von zentraler Bedeutung bei der Weiterentwicklung des Bildungswesens zu einem Gesamtsystem von Bildung, Erziehung und Betreuung.

Wir engagieren uns

Als Fachverband engagieren wir uns für einen systematischen und flächendeckenden Ausbau der schulbezogenen Jugendsozialarbeit:

  • Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung
  • Rechtliche Verankerung
  • Auskömmliche Finanzierung und passende Rahmenbedingungen

 

 

Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit?

Das Thema Ganztagsschule hat 2018 deutlich an Fahrt aufgenommen.

Durch den im Koalitionsvertrag angestrebten Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung im Grundschulalter war es uns in der BAG EJSA ein Anliegen, uns zum Thema Ganztagsschule zu positionieren. Wir taten dies auf vielfältige Weise: in Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten, durch Fachartikel, mit entsprechenden Thesen und Forderungen.

Ganztagsschule unter einem ganzheitlichen Bildungsverständnis, das die Entwicklung der Persönlichkeit, der Selbst- und Sozialkompetenzen, der Fähigkeiten und Talente der Kinder und Jugendlichen im Fokus hat, trägt in niedrigschwelliger Weise zum Ausgleich sozialer Benachteiligung und individueller Beeinträchtigung bei. Sie ergänzt familiäre Erziehung und bietet in der kooperativen Gestaltung des Ganztags mit der Kinder- und Jugendhilfe und in Zusammenarbeit mit der Jugendsozialarbeit niedrigschwelligen Zugang zu weiterführenden Unterstützungsangeboten. Sie ermöglicht durch die Gestaltung des Ganztags in gemeinsamer Verantwortung von Schule und Jugendhilfe Chancengerechtigkeit und schafft Zugänge zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe für Kinder und Jugendliche, die von Exklusion bedroht sind.

Obwohl der Ausbau des schulischen Ganztags bisher noch nicht alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, sehen wir für die Zielgruppe der Jugendsozialarbeit Chancen und Möglichkeiten für mehr Bildungsgerechtigkeit, die sowohl in einem ganzheitlichen Bildungsverständnis als auch in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Ganztag liegen.

Damit Ganztagsschule zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen kann, ist die Jugendsozialarbeit hier mit ihren spezifischen Zugängen gefragt: Stärken und Kompetenzen der jungen Menschen aufspüren, die sich außerhalb des Unterrichts zeigen, Kenntnis der Lebensumstände und der spezifischen Themen der jungen Menschen, Beziehungen eingehen, junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten.

Die Jugendsozialarbeit muss in die Gestaltung und Weiterentwicklung von Ganztagsschulen und Kooperationen grundsätzlich einbezogen werden. So kann sie frühzeitig drohende oder bestehende Ausgrenzungen und Benachteiligungen erkennen und in der Verantwortungsgemeinschaft mit der Schule Veränderungsprozesse einleiten.

Mehr zum Thema in der Fachzeitschrift „Dreizehn“, Ausgabe 1/2018".

Kooperationsverbund Schulsozialarbeit

Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit wurde im Jahr 2001 zum Zweck des fachlichen Austauschs von Wissenschaft, Praxis und Trägern gegründet. Ihm gehören Expert*innen aus der regionalen Praxis, der Fortbildung und aus folgenden Verbänden an:

  • Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V., Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische
  • Jugendsozialarbeit (BAG EJSA),
  • GEW-Hauptvorstand,
  • Internationaler Bund (IB) und
  • IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – Deutschland e.V.