»zurück zur Übersicht

4. Jungensozialarbeit

Jungensozialarbeit ist eine jungenbezogene Jugendsozialarbeit mit Genderkompetenz und Genderqualität. Als Leistung der Jugendhilfe nach SGB VIII/KJHG setzt sie im Blick auf Jungen dessen Lebenslagen- und Gleichstellungsorientierung um. Jungensozialarbeit ist Jungenarbeit und Jugendsozialarbeit zugleich und entfaltet dadurch eine „doppelte Qualität“. Im Verbund mit der Mädchensozialarbeit und dem Gender-Mainstreaming-Ansatz der Jugendsozialarbeit arbeitet sie auf praktischer, konzeptioneller und jugendpolitischer Ebene. Dabei weiß sie um die Gefahr der Dramatisierung, Besonderung und Stigmatisierung durch jungenbezogene Diskurse, die sich in erster Linie auf Problematisches beziehen. Umgekehrt erkennt sie ihr Potenzial in einer Perspektive auf Normalität, Integration und Gelingendes.

Jungensozialarbeit entwickelt und verfügt über spezielle, geschlechter-bezogene Kompetenzen „zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen“ bei Jungen, die „in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind“. Entsprechende sozialpädagogische Hilfen beziehen sich auf deren schulische und berufliche Ausbildung, ihre Eingliederung in die Arbeitswelt und die Förderung einer sozialen Integration (vgl. § 13 SGB VIII/KJGH). Zentrale Zugänge und Themen einer Jungen-sozialarbeit sind damit „männliche“ Lebenslagen bzw. das Junge- und Mannsein im Kontext von...

·         Beruf, Arbeit, Integration, Migration

·         Bildung, Entwicklung, Lebensplanung

·         Benachteiligung, Marginalisierung, Armut

·         Misserfolg, Scheitern, zweiten Chancen

In der Lebenspraxis überschneiden oder überlagern sich diese Themen. Bei der Begleitung von Jungen kommt es deshalb darauf an, ihre vordergründigen als auch die eher verdeckten Bewältigungsfelder im Blick zu halten und in einen klärenden Zusammenhang zu bringen, z.B. Ausbildung und Arbeit – Wohnung und Beziehung – Geld und Legalität – Sucht und Gesundheit. Dabei weiß Jungensozialarbeit, das Bewältigungs- und Problemverhalten von Jungen „richtig“ zu deuten – und auch Gelingendes anzuerkennen. In diesem Sinn lassen sich einige Grundlagen oder Grundannahmen der Jungensozialarbeit ableiten:

· Jungen in der Jugendsozialarbeit sind „als Jungen“ wahrzunehmen und zu verstehen – im Sinn einer genderkompetenten und -qualifizierten Anamnese oder Diagnose. Diese schützt vor jungenbezogenen Pauschalurteilen und negativen Verallgemeinerungen ebenso wie vor Geschlechterblindheit.

· Jungensozialarbeit thematisiert Geschlechtlichkeit weniger bzw. nicht nur im Problemkontext. Denn nicht alle Jungen in der Jungensozialarbeit sind schwierige Jungen, und das Jungesein allein ist nicht das Problem.

· Jungensozialarbeit hebt hervor: Jungesein in schwierigen Lebenslagen heißt nicht automatisch Scheitern, Absturz, problematisches Mannsein usw. Jungesein unter solchen Umständen kann gelingen – und gelingt auch.

· Zur Jungensozialarbeit gehört auch der Blick auf die männlichen Fachkräfte selbst. Sie sind angehalten, eigene Zugänge und Dispositionen, eigene Haltungen und Geschlechterbilder zu reflektieren; sich methodisch und konzeptionell zu vergewissern; sich fachlich zu qualifizieren und zu vernetzen.

· Jungensozialarbeit geht nicht darin auf, die praktische sozialpädagogische Arbeit mit Jungen zu verbessern – institutionelle und jungenpolitische Perspektiven gehören notwendig mit dazu.

Veranstaltungen
« April 2017 »
MoDiMiDoFrSaSo
12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

alle Events

Aktuelles

10.02.2017

Sozialer Zusammenhalt in digitalen Lebenswelten

Die digitale Transformation ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung!

mehr

Losung des Tages
Losungstext:

Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben.

Daniel 3,28
Lehrtext:

Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen.

Apostelgeschichte 12,7

[© Evangelische Brüder-Unität - Herrnhuter Brüdergemeine]
[Weitere Informationen finden sie hier]