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1. Jungen

In der Alltagssprache ist „Junge“ die Bezeichnung für ein männliches Kind. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Fachsprache mit dem Begriff „Jungen“ nicht nur auf männliche Kinder. Sie umfasst vielmehr einen Zeitraum, der sich zwischen mittlerer Kindheit und frühem Erwachsenenalter ausspannt. Darin zeigt sich eine doppelte Schwierigkeit: 1. ist es schon aufgrund der Alters- und Entwicklungsunterschiede kaum möglich, etwas Allgemeingültiges über „die Jungen“ zu sagen. Und 2. wollen viele Jungen selbst gar nicht als Junge gelten, sondern lieber schon als Jugendlicher oder Erwachsener. Was das Jungesein ausmacht, darüber wird schon seit alters her intensiv nachgedacht und -geforscht.

 Fachlich gesprochen ist der Begriff „Junge“ durch drei Merkmale definiert:

· Biologisch gehören Jungen zur einzigen bis heute überlebenden Art der Gattung Homo –  sie sind Menschen. Die Konsequenz daraus: Als Menschen sind sie auch gleich wie Mädchen oder gleich wie erwachsene Männer. Wer hier nur Unterschiede betont greift also zu kurz.

· Jungen befinden sich in einer bestimmten Lebensphase – in der Kindheit oder der Jugendphase; sie sind Kinder oder Jugendliche. Die Konsequenz daraus: Jungen haben ein Recht auf Bildung und Entwicklung. Der Umgang mit ihnen muss sich auch an ihren Entwicklungsbedürfnissen und dem Wunsch nach zunehmender Unabhängigkeit orientieren.

·Der Begriff „Junge“ wird natürlich auch durch das Geschlecht bestimmt: Jungen gehören dem männlichen Geschlecht an – Jungen sind männlich.

Wie aber lässt sich das „Männliche“ verstehen – angesichts der Vielfalt von Jungen und Männern und angesichts der vielen Möglichkeiten, mit Männlichkeit umzugehen?

Vereinfacht gesprochen gibt es für das „Männliche“ der Jungen drei Quellen und Beweggründe:

· Psychisches: Das Männliche hat psychogene Einflüsse und zeigt sich entsprechend in der psychischen Entwicklung. Dabei ist wichtig, dass ein Geschlechterkonzept nicht wie von selbst entsteht, sondern individuell erlernt und kognitiv verankert werden muss.

· Physisches: Auch körperliche Faktoren und die Körperbeschaffenheit spielen  eine Rolle. Was aber die Natur und Biologie des Männlichen ist, das lässt sich gar nicht so eindeutig feststellen, denn unser Begriff von Natur und Biologie ist immer schon kulturell geprägt.

· Soziales: Geschlecht entsteht unter historisch konkreten – soziokulturellen, politischen, ökonomischen – Bedingungen. Was ein Junge ist oder sein soll hängt deshalb eng mit den kulturell geltenden Männlichkeitsvorstellungen und Geschlechterbildern zusammen.

Diese drei Motive beeinflussen sich stets wechselseitig, und vor allem biografisch sind sie eng verwoben. Das Männliche oder das Jungesein kann deshalb nicht auf einen Faktor allein zurückgeführt oder reduziert werden. Auch im Umgang mit Jungen ist jeder Bereich von Bedeutung – und muss adäquat berücksichtigt werden.

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