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3. Jungen in der Jugendsozialarbeit

Jungen, die in der Jugendsozialarbeit betreut und begleitet werden, sind zunächst Jungen „wie alle andern auch“. Sie haben die gleichen Themen und Sorgen, sie haben ganz individuelle Interessen und Bedürfnisse, sie haben die mehr oder weniger gleichen Bewältigungsaufgaben beim Jungesein und Mannwerden. Auf der anderen Seite gibt es einen Anlass, dass sie in der Jugendsozialarbeit auftauchen: Sie bringen besondere oder schwierige Lebenslagen mit, verfügen vielleicht über begrenzte Bewältigungsressourcen und einseitige Bewältigungsformen, sie sind im gewissen Sinn gegenüber anderen Jungen benachteiligt. Gleichzeitig haben Jungen hier aber auch neue, eigene Entwicklungs- und Bildungschancen. Dabei gibt es oft enge Bezüge zu Geschlechterbildern und Geschlechterrollen. In vielen Bereichen der Jugendsozialarbeit sind Jungen überrepräsentiert – auch das ein Grund, sich die Zusammenhänge einmal genauer anzusehen.

Warum die Jugendsozialarbeit von vielen Jungen frequentiert wird, darauf gibt es zwei mögliche Antworten: 1. könnten Jungen in gewissen Dingen tatsächlich schlechter dran sein, 2. könnte die Gesellschaft, könnten Fachleute auf bestimmte Symptome von und Probleme mit Jungen stärker reagieren. Eine genaue Diagnose ist jedoch schwierig und soll hier gar nicht erst versucht werden. Wichtiger ist vielmehr jedoch die Frage, was schwierige Lebenslagen, Zugangsbenachteiligung oder Ressourcenarmut mit Jungen „als Jungen“ machen. Vielleicht führt das auf besondere Weise zu:

· Verunsicherung – „Kann ich mit diesem Paket richtig männlich sein?“

· Bewältigungsdruck – „Ich muss das Männliche allein hinbekommen,
                                     da hilft mir keiner.“

· Verlust von Motivation, Selbstvertrauen und Perspektive -
                                    „Ich hab doch eh keine Chance mehr.“

Eine andere Perspektive, die die Jungen mehr als Akteure sieht, fragt auch danach, was Jungen „als Jungen“ mit schwierigen Lebenslagen, aus Zugangsbenachteiligung oder Ressourcenarmut machen. Das ist die „Bewältigungsperspektive“: Wenn es gut geht, dann nehmen sie positive Chancen, die sich ihnen bieten, wahr. Sie nehmen Ressourcen an, entwickeln Stärke und spezielle Fähigkeiten, nehmen ihr eigenes Leben mit Mut, Durchsetzungskraft und Energie in die Hand. Aber nicht immer geht es derart resilient, sondern oft auch problematisch zu. So sieht sich Jugendsozialarbeit bei nicht wenigen Jungen konfrontiert mit:

·         Aggression, Gewalt, Grenzverletzung, Risikoverhalten

·         einem Wechselbad aus Größen- oder Allmachtsphantasien einerseits, 
          Fatalismus und Depression andererseits

·         Flucht, „Abtauchen“, Rückzug, Lethargie

·         der Tendenz, Negatives auf andere zu projizieren oder etwa
          „Pädagogisches“ abzuwerten

Hier ist es wichtig, die jeweiligen Geschlechterbezüge zu verstehen, aber nicht nur am Männlichen „rumzumachen“. Denn Jugendsozialarbeit hat den Auftrag, neben biografischen und geschlechtlichen Engführungen vor allem auch die „Grunderkrankung“ – Lebenslagen, Benachteiligungen oder Ressourcenarmut zu bearbeiten und verbessern.

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