Texte zur Jungensozialarbeit

1. Jungen

In der Alltagssprache ist „Junge“ die Bezeichnung für ein männliches Kind. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Fachsprache mit dem Begriff „Jungen“ nicht nur auf männliche Kinder. Sie umfasst vielmehr einen Zeitraum, der sich zwischen mittlerer Kindheit und frühem Erwachsenenalter ausspannt. Darin zeigt sich eine doppelte Schwierigkeit: 1. ist es schon aufgrund der Alters- und Entwicklungsunterschiede kaum möglich, etwas Allgemeingültiges über „die Jungen“ zu sagen. Und 2. wollen viele Jungen selbst gar nicht als Junge gelten, sondern lieber schon als Jugendlicher oder Erwachsener. Was das Jungesein ausmacht, darüber wird schon seit alters her intensiv nachgedacht und -geforscht...  »weiterlesen

 

2. Jungenarbeit – Jungenpädagogik

Jungenarbeit ist eine geschlechtsbezogene pädagogische bzw. soziale Arbeit von Männern mit Jungen, männlichen Jugendlichen und jungen Männern. Diese findet in unterschiedlichsten pädagogischen Feldern und Settings statt. Sie orientiert sich grundlegend an den Potenzialen des Jungeseins und Mannwerdens, thematisiert aber auch Probleme und problematische Formen männlicher Lebensbewältigung. Jungenarbeit findet in geschlechtshomogenen Räumen statt. Sie ist damit ein spezieller Bereich der Jungenpädagogik, die alle Erziehungs- und Bildungsprozesse von und mit Jungen in einem institutionellen Kontext umfasst. In diesem Sinn gehören zur Jungenpädagogik auch koedukative Ansätze oder die pädagogischen Arbeit von Frauen mit Jungen. Eine Definition von Jungenarbeit als geschlechtshomogenem Raum lenkt damit den Blick auf die eigene Bedeutung und Dynamik der gleichgeschlechtlichen Auseinandersetzung. »weiterlesen

 

3. Jungen in der Jugendsozialarbeit

 Jungen, die in der Jugendsozialarbeit betreut und begleitet werden, sind zunächst Jungen „wie alle andern auch“. Sie haben die gleichen Themen und Sorgen, sie haben ganz individuelle Interessen und Bedürfnisse, sie haben die mehr oder weniger gleichen Bewältigungsaufgaben beim Jungesein und Mannwerden. Auf der anderen Seite gibt es einen Anlass, dass sie in der Jugendsozialarbeit auftauchen: Sie bringen besondere oder schwierige Lebenslagen mit, verfügen vielleicht über begrenzte Bewältigungsressourcen und einseitige Bewältigungsformen, sie sind im gewissen Sinn gegenüber anderen Jungen benachteiligt. Gleichzeitig haben Jungen hier aber auch neue, eigene Entwicklungs- und Bildungschancen. Dabei gibt es oft enge Bezüge zu Geschlechterbildern und Geschlechterrollen. In vielen Bereichen der Jugendsozialarbeit sind Jungen überrepräsentiert – auch das ein Grund, sich die Zusammenhänge einmal genauer anzusehen. »weiterlesen

 

4. Jungensozialarbeit

 Jungensozialarbeit ist eine jungenbezogene Jugendsozialarbeit mit Genderkompetenz und Genderqualität. Als Leistung der Jugendhilfe nach SGB VIII/KJHG setzt sie im Blick auf Jungen dessen Lebenslagen- und Gleichstellungsorientierung um. Jungensozialarbeit ist Jungenarbeit und Jugendsozialarbeit zugleich und entfaltet dadurch eine „doppelte Qualität“. Im Verbund mit der Mädchensozialarbeit und dem Gender-Mainstreaming-Ansatz der Jugendsozialarbeit arbeitet sie auf praktischer, konzeptioneller und jugendpolitischer Ebene. Dabei weiß sie um die Gefahr der Dramatisierung, Besonderung und Stigmatisierung durch jungenbezogene Diskurse, die sich in erster Linie auf Problematisches beziehen. Umgekehrt erkennt sie ihr Potenzial in einer Perspektive auf Normalität, Integration und Gelingendes. »weiterlesen

 

 5. Fachkräfte in der Arbeit mit Jungen: der Jungenarbeiter/-pädagoge

 Wirkung und Erfolg der Jungensozialarbeit hängen maßgeblich von der Person des Jungenarbeiters ab. Die wichtigste „Methode“, das wichtigste ist der Jungenarbeiter selbst: Er wirkt durch seine Kompetenz und seine Professionalität. Die Fachlichkeit des Jungenarbeiters ist geschlechterbezogen doppelt gefordert: in Bezug auf die Jungen, aber auch in Bezug auf sich selbst – das heißt beim Jungenarbeiter „als Mann“. Jungenarbeiter in der Jungensozialarbeit zu sein ist eine anspruchsvolle Aufgabe, weil er mit Jungen in schwierigen Lebenslagen arbeitet. Dabei gestaltet sich auch das Männliche der Jungen oft als schwierig, und das stellt an den Jungenarbeiter „als Mann“ ebenfalls besondere Anforderungen. »weiterlesen

 

6. Projekte der Jungensozialarbeit

So lange Jungensozialarbeit kein allgemeiner Standard ist, sind Projekte für ihre Etablierung und für die Weiterentwicklung der Jugendsozialarbeit unverzichtbar. Sie bringen Innovationen in die Praxis, erproben Methoden und Konzepte, verändern Strukturen und Qualitätsanforderungen. Projekte der Jungensozialarbeit können in der alltäglichen Arbeit mit Jungen platziert und integriert werden, indem die institutionelle Kultur oder vorhandene Angebote jungenbezogen „aufgeladen“ werden: Im Berufswahlseminar etwa geht es thematisch nicht nur um die berufliche Zukunft, sondern um „männliche“ Erwartungen an Berufstätigkeit und Lebensgestaltung. Daneben haben größere Jungen-Projekte mehr Eigenständigkeit: ein regelmäßiger Jungenabend, spezielle Jungenfreizeiten oder ein Jungenvideoprojekt. Dies kann bis zur weitgehend selbständigen Einrichtung der Jungensozialarbeit gehen: Sie hält ein spezielles Angebot vor, das sich in erster Linie an Jungen wendet. »weiterlesen

 

7. Die institutionelle Perspektive: Einrichtungen der Jungensozialarbeit

Jungensozialarbeit findet in Institutionen statt: in Organisationen und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit. Dies setzt ganz bestimmte Rahmenbedingungen, weshalb eine institutionelle Perspektive unverzichtbares Element der Jungensozialarbeit ist. Dabei geht es um die Bedingungen, unter denen Jungen gefördert oder betreut werden, und um Ressourcen, die der Jungensozialarbeit zur Verfügung stehen: Räume, Personal, finanzielle Mittel, aber auch Konzeptionen und Strukturen.
Jungensozialarbeit ist Praxisansatz, Qualitätsmerkmal und Element des Profils der jeweiligen Institution – vielleicht sogar explizites Leistungsmerkmal ihres Angebots. Die fachliche Stabilisierung und Qualifizierung von Jungensozialarbeit ist ohne Einbezug der institutionellen Ebene nicht erreichbar. Die beiden wichtigsten Merkmale, die eine Institution für Jungensozialarbeit qualifizieren, sind 1. kontinuierliche Praxis der Jungenarbeit und 2. eine Konzeption, die das spezielle Profil der Jungensozialarbeit in dieser Einrichtung herleitet und erklärt. »weiterlesen

 

8. Jungenpolitik als „Jungensozialpolitik“

 Jungen und ihre Anliegen, aber auch die Jungenarbeit wurden bislang weder auf kommunalpolitischer Ebene, noch in der Landes- und Bundespolitik besonders beachtet. Erst seit ein paar Jahren verändert sich das allmählich: durch die Benennung einer eigenständigen Jungen- und Männerpolitik als Politikziel im Koalitionsvertrag von 2009; den „Beirat für Jungenpolitik“, der von der Bundesjugendministerin 2010 einberufen wurde; durch die Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit im Frühjahr 2011.
Jungenpolitik ist aber immer noch vergleichsweise wenig entwickelt und positioniert. So geht es deshalb immer noch darum, einen schlüssigen Begriff von Jungenpolitik – etwa ausgehend vom Lebenslagenkonzept – zu entwickeln und zu bestimmen sowie daran anknüpfend jungenpolitische Interessen zu bündeln und im politischen Raum zu vertreten.  »weiterlesen

Aktuelles

16.10.2017

Jugendliche brauchen Perspektiven!

ExpertInnen aus der Jugendsozialarbeit benennen Handlungsbedarf

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Losung des Tages
Losungstext:

Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes.

5.Mose 4,2
Lehrtext:

Jesus sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.

Lukas 8,21

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