Lebensweltorientierte Förderung beruflicher Integration
29.9.2011, Dortmund
Veranstaltung in Kooperation mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe
Bereits seit den 1970er Jahren entspricht die Vorstellung einer Vollbeschäftigung nicht mehr der gesellschaftlichen Realität. Insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene geht die Schere zwischen dem allgemein getragenen Lebenskonzept einer erwerbsarbeitszentrierten Normalbiographie und den tatsächlichen Lebensrealitäten immer weiter auseinander. So sind die Lebensrealitäten einer Vielzahl junger Menschen heutzutage geprägt durch ungewisse Berufsintegration und Brüche in ihrer Erwerbsbiographie. Auch der zu erwartende demografisch bedingte Rückgang an Ausbildungssuchenden wird insgesamt die Probleme auf dem Lehrstellenmarkt nicht lösen, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.
Eine ausschließlich auf Arbeitsmarktintegration orientierte Jugendberufshilfe muss vor diesem Hintergrund oftmals eine "Mogelpackung" verkaufen, versteht sie sich rein als "Brücke zur Arbeitswelt". Die Anforderungen an eine moderne Jugendberufshilfe müssen vielmehr darin liegen, Jugendliche dabei zu unterstützen, mit Brüchen und Krisen in ihrer (Erwerbs-)Biographie umzugehen und auf ein Leben unter "Bedingungen der Ungewissheit" vorzubereiten.
Bereits vor über zehn Jahren hat Franz Josef Krafeld als Alternative zu einer rein arbeitsweltfixierten Jugendberufshilfe das Konzept einer lebensweltorientierten Jugendberufshilfe entwickelt. Gleichwohl das Konzept Ende der 1990er Jahre in Wissenschaft und Praxis durchaus wahrgenommen und diskutiert wurde, sind entsprechende Überlegungen zur lebensweltorientierten Förderung der beruflichen Integration Jugendlicher nach Einführung der so genannten Hartz-Gesetze eher in den Hintergrund geraten. Doch scheint das Konzept einer lebensweltorientierten Jugendberufshilfe in jüngster Zeit wieder eine besondere Aktualität zu gewinnen. So mehren sich die Stimmen aus der Praxis der Jugendsozialarbeit bzw. Jugendberufshilfe, dass eine rein arbeitsmarktzentrierte Förderung junger Menschen wenig erfolgversprechend und eine reine Ausrichtung auf Vermittlungsquoten wenig zielführend sind.
Im Rahmen der Fachtagung soll das Konzept einer lebensweltorientierten Jugendberufshilfe vorgestellt und hinsichtlich seiner Möglichkeiten diskutiert werden. Darüber hinaus soll ein Austausch darüber stattfinden, ob und wie ein solches Konzept unter den aktuellen Rahmenbedingungen tragfähig und umsetzbar ist. Zudem soll angesprochen werden, ob eine zukunftsfähige Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe künftig (noch) stärker als "Bildungsort" denn als "Ausbildungsort" verstanden werden muss.
Veranstalter: Werner Höbelt und Tim Rietzke (Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe), Claudia Seibold (BAG EJSA).


